Werte Frau Kundin

So bringen Sie Humor in Ihre Kundenansprache

Das ist schon so eine Sache mit dem Humor – eine Glückssache besser gesagt. Denn außer dem berühmten Fettnäpfchen ist kaum etwas peinlicher als einen Witz zu machen, über den der oder die andere(n) nicht lachen können.

Deshalb widme ich mich an dieser Weiberfastnacht mal dem Thema Humor. Und zwar dem Humor in der geschriebenen Ansprache. Denn der ist weitaus schwieriger als in der mündlichen Kommunikation, die in der Regel Nähe und Bekanntheit beinhaltet und wo wir aufgrund dessen, was wir beim Gegenüber sehen, hören und fühlen, besser erkennen können, was angebracht ist und was nicht.

Handwerk Humor

Viele Menschen sind der Meinung, Humor hat man oder man hat ihn nicht. Falsch! Humor kann man trainieren. Humor ist Handwerk, wie der amerikanische Autor John Vorhaus behauptet („Handwerk Humor“, erschienen bei Zweitausendeins). Nur so können Kabarettisten, Komiker und Kapellmeister permanent neue Sketche und ähnliches erfinden. Machen Sie also mit und üben Sie ein wenig mit den drei Instrumenten, die ich Ihnen hier vorstelle:

  1. Der Misston im Dreiklang

Dieses Instrument habe ich gerade eben benutzt: Kabarettisten, Komiker und Kapellmeister. Der dritte gehört natürlich nicht in diese Reihe, aber gerade weil ich die Erwartung, die ich mit den beiden ersten Nennungen schüre, nicht erfülle, funktioniert es und ein Schmunzeln stellt sich beim Leser ein. Hier wird zusätzlich das Stilmittel Alliteration eingesetzt, was die Komik verstärkt.

Das ist eine Grundregel des humorvollen Erzählens in der Literatur: Der Schluss ist eine Pointe, wenn er völlig unerwartet ist, bzw. etwas verdreht oder umkehrt.

  1. Sprichwörter beenden

Schreiber setzen gerne ein Sprichwort über ihre Texte, da sie dem Ganzen ein Motto, eine Richtung geben. Nur… Leider liest man allzu häufig die immer gleichen Sprüche. Sie bedienen Klischees und das ist sehr gefährlich. Mit jeder geläufigen Redewendung – auch mit komischen, die nicht von Ihnen stammen – laufen Sie Gefahr, Ihre Leser zu langweilen und zu vergraulen. Nicht so, wenn Sie die den Satz originell abändern, sich also die Mühe machen, etwas Eigenes daraus zu machen, z. B.

Wer im Glashaus sitzt …                               … muss ständig Fenster putzen.

Wer andern eine Grube gräbt …              … braucht einen guten Spaten.

Morgenstund hat Komposit im Mund. (Komposit = Zahnfüllmixtur)

  1. Über- und Untertreibungen

Diesem Stilmittel sind Sie im Betreff dieses Newsletters begegnet. Die Anrede ist antiquiert und bieder und kann nur verwendet werden, wenn Ihre Zielgruppe ein Kreis von Frauen ist, der sich für die Wiederbelebung des Frauenbildes aus dem 19. Jahrhundert einsetzt. Aber gerade das sichtlich Unangebrachte kann ein Türöffner sein, wenn es, wie in folgendem Beispiel, aufgelöst wird:

Werte Frau Kundin,

Sie wundern sich über diese seltsame Anrede? Nun ja, „Hey Lady“ würde vermutlich das gleiche Stirnrunzeln auslösen. Am liebsten sprechen wir unsere Kunden mit ihrem Namen an, wie auch unsere Mitarbeiter gerne von unseren Kunden mit Namen angesprochen werden. Deshalb steht er unter jedem Schreiben der vollständige Name des Absenders.  Dies ist der Grund, warum wir Sie bitten, Ihren Namen zu Ihrer Mailadresse anzugeben. Damit Sie in Zukunft nicht schon über die Anrede stolpern. Denn wir meinen nicht irgendwen. Nein! Wir meinen Sie – Sie persönlich, Frau Müller.

Wenn Sie sich daran machen wollen, Ihre humorvolle Seite etwas wiederzubeleben, hier mein Kurzrezept:

  • ein Körnchen Wahrheit, das oft traurig und unangenehm ist,
  • eine Geschichte,
  • eine Enttäuschung der Lesererwartung (= Perspektive, die das Komische am Traurigen sichtbar macht)

Kurz und knapp servieren!

In diesem Sinne

Allaaf, Helau und Grüß Gott

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Aus dem Leben einer Texterin

Bildquelle: R.Jürgens / pixelio.de

Du wachst auf, drehst dich nochmal rum. Es ist spät geworden gestern. Du erlaubst dir eine Runde im Bett dranzuhängen. Und dann stehst du doch eher auf als gedacht, machst dir deinen Kaffee, wie jeden Morgen. Da ist dieser Musiker in deinem Kopf, der dich vor einer Woche auf dem Netzwerktreffen ansprach. Ihr habt euch lange unterhalten, er sprach darüber, was er macht, was er denkt, was er hasst und was er liebt. Als er hörte, dass du textest, fiel ihm der Slogan ein, nach dem er schon lange sucht. Er brauche Hilfe, sagte er. Ihr unterhieltet euch darüber, was ein Slogan ist, was er leistet, woran man gute von weniger guten unterscheidet. Zwei Tage später hast du dich auf seiner Website umgesehen und ihn angerufen. Er war krank.

Jetzt sitzt du da, wie jeden Morgen, nippst an deiner Tasse, schaust aus dem Fenster, spürst in den Tag hinein und siehst den Musiker vor dir, hörst seine Worte, spürst seine Leidenschaft. Worte formen sich, Slogans. Du erinnerst dich, dass du gestern mit einem Slogan für ihn im Kopf eingeschlafen bist. Wie war der doch gleich? Aber da kommen schon andere hoch, wollen aufgeschrieben werden. Gedanken sind so flüchtig. Du weißt, dass du sie sofort festhalten musst, nimmst den Stift und den Einkaufszettel, der da liegt. Die Rückseite ist frei. Im Büro wartet ein Lektorat auf seine Fertigstellung.

Und du beobachtest dich dabei, erzählst in Gedanken deine Geschichte. Die Geschichte deiner Arbeit, der Arbeit im Dämmerzustand zwischen Wachsein und Einschlafen, zwischen Schlafen und Aufwachen und schreiben im Schlafanzug, wo nichts zwischen dir und den Worten im Kopf steht. Und einer Arbeit, für die es keinen Auftrag gibt. Ob der noch kommt? Who knows!

 

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Storytelling

… oder über das Band, das gute Werbetexte und Hörbücher verbindet

Ein Fachmann für Haushaltsauflösungen plant eine Werbekampagne. Ein Jahr lang soll ich Webseiten, Flyer, Werbebriefe und anderes texten. Beim ersten Treffen führt mich der Unternehmer durch seine Firma. Wir begegnen einem seiner Männer. Er bleibt stehen, begrüßt uns und – gibt mir die Hand. Ich bin beeindruckt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Monate später schreibe ich einen Presseartikel für die Werbeseite einer einfachen Volkszeitung. Ich erzähle eine Geschichte. Von einem Händedruck. Eine Geschichte, die Menschen bewegt – auch das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Transporter der Firma rollen. Von Haus zu Haus zu Haus.

Eine namibische Autorin schreibt die Geschichte einer Frau, die acht Tage in der Wüste verbringt. Ich lese das Manuskript und bin im Geiste in Afrika. Gemeinsam arbeiten wir wochenlang an einer Sprache fürs Hören. Dann erzähle ich die Geschichte. Eigentlich lese ich sie, aber man hört die Erzählerin. Ein Musiker findet Klänge dazu, eine Grafikerin das Coverbild. Das erste deutschsprachige Hörbuch für Namibia wird geboren. Presse und Radio berichten, das Hörbuch ist in aller Munde.

Geschichten nähren, verführen, verbinden: Sie. Mich. Und Ihre Kunden.

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Kino im Kopf

… oder können Sie auch Krimi?

Meine Stimme ist rau, die Beine heben sich wie Zementsäcke und unter meinen Augen schimmern Ringe in ungesundem Blau. Es ist kurz vor neun. „Der Morgen stirbt nie“. Auch wenn es sich so anfühlt. 8 Stunden Flug und 2 Zwischenaufenthalte liegen hinter mir. Eine Besprechung vor mir. Auftrag in Aussicht und Geld. Mein „Golden Eye“, sozusagen. Eine Stunde noch. Das schaffe ich nicht. Wie soll ich so präsentieren? Wie mich auf Photovoltaikanlagentechnik konzentrieren und dieses Wortmonster über meine Lippen bringen? Ich schleppe mich aus dem Airbus, remple die Stewardess an, tippe die Nummer ins Handy. Die Verspätung wird mir das Genick brechen. Eine innere Stimme sagt: „Stirb an einem anderen Tag“! Doch ich bin sicher: Die sagen ab. Bestimmt. Besetzt. Da – der Terminal. Hinsetzen und nochmal in Ruhe wählen. Der Lautsprecher krächzt. Eine Stimme, nein, DIE Stimme, meine Traumstimme meldet sich:

„Willkommen in Bonn. Köln-Bonn.“

You made my day, James. Das Lächeln will einfach nicht aus meinem Gesicht weichen. Der Rest ist Business. Ich zeige, erkläre, höre zu. Ideenflug. Die Kundin strahlt: „Ein Story-Podcast mit Spannung, Witz und Pfiff – das klingt gut.“ Ein Beispiel? Bitte sehr,

 

Ich danke dem Flughafen Köln/Bonn und dem Mann mit DER Bond-Stimme: Frank Glaubrecht.

Image ist eine Frage der Sympathie. Ihre Träger sind Idee, Text und Stimme. Ihr Inhalt: Freude.

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Konterkariert

… oder warum uns bei manchen Begegnungen der Schlag trifft

Nehmen wir an, Sie bauen Fernseher. Sie haben eine Technologie entwickelt, die ein völlig neues Sehen möglich macht. Plastisch. In 3 Dimensionen. Das soll die Welt erfahren. Sie beauftragen eine Werbeagentur. Der Art Director bietet Ihnen eine Latte Macchiato an, führt Sie durch das Designerloft und präsentiert Ihnen sein Konzept: Emotional Brand Marketing, usabilityfixierte Webpräsenz, Above-the-line Promotion und crossmediale Kampagnen.

Sie kontern mit dem GeoLPD Plasma-TV mit Multituner CI+; HD+ und USB- Recording, Netzwerkanschluss für Multimediazugriff auf PC, NAS oder Web-Services.

Wir sind alle Experten, stolz auf unsere hochentwickelten Produkte, über die wir mit Vorliebe reden. In Fachchinesisch. Nur unsere Kunden nicht. Die sind weg. Ich schlage Ihnen vor: Sie erklären mir den Fernseher. Was ihn so besonders macht und wer ihn kaufen soll. Dann übersetze ich. Wie sich das anhört? Zum Beispiel so:

Der Spot – eine Micro-Story

Mann: Beim Boxen vergisst er alles. Frank – unser wahrer Champion. Jetzt liegt er am Boden. Klitschkows Linke landete direkt vorm Sofa. Es tut uns leid. Wir haben sie unterschätzt. Die Wirkung unseres Siegers: GeoLPD Plasma-TV.

Frau: Von Visuphonic. 3 D Fernsehen: So echt, dass es manche Männer umhaut!

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Texterin Ihres Vertrauens. Sie weiß, was anspricht.

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